Jul 152011
 

Neben der hier schon thematisierten Wahl des Finanzreferenten war auch die Befragung des Kandidaten für den Vorsitz des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) sehr interessant.

Der Kandidat konnte bereits einige Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Hochschule, der Hochschulverwaltung und auch der studentischen Selbstverwaltung sammeln. Das Problem, mit dem der Kandidat zu kämpfen hatte, war eigentlich banal: er ist neu in seiner politischen Gruppierung, neu im Studierendenparlament (SP) und er wäre neu im AStA. Kurzum: er ist neu in der Hochschulpolitik.

Für mich war das Verhalten des Kandidaten vor allem wegen seiner Antwort auf die Frage, wer in seinem zukünftigen AStA die Pressearbeit übernehmen wird, interessant (sinngemäße Wiedergabe):

Pressearbeit wird beim Vorstand angesiedelt sein. Ich denke als Kommunikationswissenschaftler bin ich dafür auf jeden Fall qualifiziert.

Als Kommunikationswissenschaftler hat er natürlich auch gelernt, was es für Möglichkeiten gibt, um mit seiner etwas unglücklichen Lage umzugehen. Und wie geht man damit um, wenn einem im entscheidenden Bereich die Kompetenzen noch fehlen? Sein Rezept: so tun, als gebe es die missliche Lage nicht.

Aufgrund seiner fehlenden Erfahrungen in der Hochschulpolitik konnte er eine ganze Reihe von Fragen nicht beantworten. Er benutzte dann unsicher stotternd immergleiche leere Worthülsen, oder ließ sich die passende Antwort von seinem scheinbaren Sidekick, dem ehemaligen AStA-Vorsitzenden, vorsagen.

Schade.

Ich glaube, er hat es geschafft, den Menschen im SP glaubhaft zu machen, dass er bereit ist zu arbeiten. Damit hat er dem Finanzreferenten schon einiges voraus! Bei der expliziten Frage nach seinen Schwächen antwortete er (sinngemäß):

Ich glaube da sagt man immer „Ungeduld“, oder?

Seine echte Schwäche an diesem Abend war fehlendes Rückgrat. Warum nicht zu seinen Schwächen stehen? Es war für jeden Offensichtlich, dass ihm der Hintergrund in vielen Bereichen fehlte. Sich für alle erkennbar hinter Worthülsen und anderen Personen zu verstecken ist für einen angehenden AStA-Vorsitzenden unangemessen. Und peinlich für jemanden, der sich selber als Kommunikationswissenschaftler bezeichnet.

Offenheit und Aufrichtigkeit hätten ihm gut gestanden. Fehlende politische Erfahrung kann doch vor allem für die, für die er arbeiten wird, nämlich die Studierenden, ein Segen sein! Weil doch gerade einer ohne politischen Hintergrund die Hoffung wecken kann, nicht mit seinen persönlichen politischen Machtspielen im Sumpf der Klüngeleien und des eigenen Machterhalts zu versacken.

Diese Chance hat er für den Moment leider vertan. Vielleicht auch deswegen konnte Bela Brenger außer den Stimmen seiner Koalition nur eine weitere für sich gewinnen.

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