Neulich Abend

 Posted by on 21. Juli 2010  Kommentare hinzufügen
Jul 212010
 

Neulich Abend waren wir auf dem Weg vom Essen nach Hause. Wir waren zu viert im Aut0. Ich saß hinten. Es klang für mich wie nebenbei bemerkt als der Fahrer an einer Kreuzung, an der wir rechts abbiegen mussten meinte „Was ist das denn“ und dann links abbog.

Wir fuhren eine Straße rauf, an der in unserer Fahrtrichtung links Parktaschen waren. In einer dieser Parktaschen lag ein Motorrad (oder ein Roller). Und wenig davon entfernt ein Mann. Mit dem Gesicht in seinem Blut. Und noch keiner war da. Wir hielten an. Die Aufgabenteilung war für mich ziemlich schnell klar: wir hatten eine Krankenschwester dabei und eine nach meinem Wissen mit solidem Wissen ausgestattete Ersthelferin. Also stieg ich zwar aus, blieb aber zurück. Die „Ersthelferin“ rief sofort den Rettungsdienst. Zwischenzeitlich kam ein Radfahrer dazu, von dem ich glaube, dass er der hiesige Hausarzt ist.

Der Motorradfahrer lag einigermaßen stabil auf der Seite und stöhnte wie ein verletzter Volltrunkener (die Krankenschwester erklärte mir nachher, dass seien die normalen „Laute“ einer unter Schock stehenden Person). Dann wurde es auf einmal hektisch: ein Auto mit Anhänger hielt an, eine junge Frau stieg aus und musste sich sichtlich anstrengen ruhig zu bleiben. Gelegentlich war sie kurz davor, die Beherrschung zu verlieren: es war die Tochter. Außerdem waren zwei weitere Personen im Auto. Eine davon war mutmaßlich die Ehefrau (so die Einschätzung meiner Mitfahrer; ich selber bin diesbezüglich unsicher). Sofort übernahmen sie das Zepter. Kümmerten sich irgendwie leicht unbeholfen um den Verletzten.

Der komischste Moment: die Tochter ruft:

Seitenlage! Mach mal Seitenlage! — Ihr habt doch alle den Führerschein!

Kurz nachdem die Forderung nach stabiler Seitenlage im Raum stand, war das Ziel der im Auto angereisten Familie des Verletzten, den Verletzten möglichst schnell ohne Rettungswagen weg zu bringen. Die Frau bat uns energisch den Krankenwagen abzubestellen, was auch problemlos möglich war. Sie alle seien Familienmitglieder und kümmerten sich jetzt darum. Dann haben die den Verletzten irgendwie ins Auto verfrachtet und weggefahren. Das Zweirad des Verletzten wurde auch sofort von einem der Autoinsassen weggefahren. Und schon standen wir alleine da. Nummernschilder haben wir vorsorglich mal notiert.

Mein Bedarf an (skurrilen) Notruf-Situationen ist damit für diesen Monat fürs erste gedeckt…

  Eine Antwort bis “Neulich Abend”

  1. So ändern sich die Zeiten. Anfang der 90er Jahre, als ich im Rettungsdienst meinen Zivildienst abgeleistet habe, wäre dies definitiv nicht möglich gewesen. Die Besatzung des RTW hätte sich vor Ort von der Situation des Verletzten überzeugt und dann wäre der Einsatz beendet gewesen. Dafür gibt es aber heute „Tierrettungsdienste“ und andere Dinge, die die Welt nicht braucht.

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